Kritischer Kompromiss. Seit geraumer Zeit wird on- wie offline diskutiert, ob Netzbetreiber für datenintensive Dienste mehr verlangen dürfen: Sollen Webangebote wie Musik- oder Videoclips beispielweise den Nutzer von mobilem Internet teuer kommen als etwas das Aufrufen von Emails?

Die Netzneutralität, nach der alle Dienste offen und gleichwertig behandelt werden, spielt bei dieser Diskussion eine große Rolle.

Viele Fragen, ein Blogeintrag: Nun präsentierten der Suchmaschinenanbieter Google und der auf Telekommunikation spezialisierte Konzern Verizon ihren gemeinsamen Vorschlag für gesetzliche Rahmenbedingungen im Web.

“Ja zur Netzneutralität” – aber nicht, wenn’s um mobiles Internet geht. Wie begründen die Unternehmen ihren Vorschlag und was bedeutet er konkret?

Auf dem offiziellen Blog “Google Public Policy” erklären Alan Davidson und Tom Tauke, dass das mobile Internet einem stärkeren Wettbewerb und Wandel unterliege als kabelgebundene Lösungen. Internet via Mobilfunk – also nicht mehr “ganz so neutral”?

Wer mehr zahlt, kriegt schneller und stabiler Informationen – das sei ein Vorstoß zum “Zwei-Klassen-Internet” kritisieren Verbraucherverbände, aber auch Onlineunternehmen wie Amazon. Die Netzbetreiber würden Kosten auf die Nutzer abwälzen und kleinere Betriebe zukünftig vor Wettbewerbsnachteile stellen.

Außerdem sehen Kritiker das Netz in seinen Grundprinzipien gefährdet: Wer die technische Infrastruktur besitzt, könnte nach rein kommerziellen Gesichtspunkten bestimmte Verbindungen und Datenströme beschleunigen, verlangsamen oder gänzlich unterbinden.

Willkürlich beschlossene Blockaden und massive Beschränkungen in der Bandbreite, die -zumindest hierzulande- unvorstellbar scheinen, würden mit dem Vorschlag von Google und Verizon zur gängigen Praxis, lautet die Argumentation.

In Deutschland begrüßen Netzbetreiber wie die Telekom die Anregung von Google und Verizon vorsichtig. Zeitgleich bilden sich  Gegenbewegungen, die verbindliche Gesetze zur Netzneutralität fordern. Am heutigen Mittwoch wurde in Berlin die Initiative “Pro Netzneutralität” gegründet. Zu den 21 Unterzeichnern gehören unter anderem Politiker der Grünen und der SPD sowie Netzaktivisten wie Markus Beckedahl und Sascha Lobo.

Weitere Unterstützer, die sich für “ein freies Internet ohne staatliche oder wirtschaftliche Eingriffe” einsetzen, werden gesucht. Die Netzneutralität: Lässt sich eurer Meinung nach die Gleichberechtigung für jeden Webbereich per Gesetzt aufrecht erhalten oder entspricht das einem naiven Wunsch von Utopisten?

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