Gemeinsam gegen andere „mobile Ökosysteme“. Die Verkündung einer neuen Strategie von Nokia-Chef Stephen Elop war mit Spannung erwartet worden.

Nun steht fest: Der finnische Handyhersteller wird zukünftig eng mit Microsoft zusammen arbeiten. Zur Konferenz in London erschien auch Microsoft-Chef Steve Ballmer.

In einer offiziellen Stellungnahme erklären die beiden, dass sie die derzeitigen Herausforderungen flink meistern wollen:

„Wir haben den Willen, die Ressourcen und den Antrieb, um erfolgreich zu sein!“

Nokia besitzt zwar noch die weltweite Marktführerschaft bei Handys, hat allerdings durch zu zögerliche Weiterentwicklung den Anschluss an hochpreisige Smartphones der Konkurrenz verloren. Jetzt soll mit dem Betriebssystem Windows Phone 7 die Aufholjagd beginnen. Wir liefern die nächsten Schritte und analysieren die Strategie.

Es war in den vergangenen Monaten deutlich geworden, dass Nokia zum wirtschaftlichen Fortbestehen eine tiefgreifende Entscheidung fällen muss. Die derzeit starre Firmenstruktur hatte verhindert, dass sich die eigenen Entwicklungen Symbian, Meego und Ovi rasch und erfolgreich auf dem Markt platzieren konnten.

Warum arbeitet Nokia aber nicht mit Google und Android zusammen?

Elop befürchtete, dass sich Nokia durch diesen Schritt „hin zu einem Konzern unter vielen“ ins Abseits befördert hätte (aktuell arbeiten HTC, LG, Motorola und Samsung mit Android). Außerdem hätte Google die nun geplante Integration des Nokia Store in Smartphones nicht gestützt.

Durch die Partnerschaft von Nokia mit Microsoft erhoffen sich die Großkonzerne starke Synergieeffekte bei Entwicklung bis hin zur gemeinsamen Vermarktung. So wird für Smartphones von Nokia zukünftig Windows Phone 7 die zentrale Plattform, Bing als Suchmaschine auf den Handy vorinstalliert. Im Gegenzug steuert Nokia seine Navigationsoftware Maps bei.

Was passiert mit Nokias Symbian und Meego?

Elop weicht in diesen Punkten aus. Von zwei nach Verkaufspreisen getrennten Smartphone-Bereichen ist die Rede. Noch ist unklar, ob auf längere Sicht die günstigen Handys unter Symbian weiter laufen oder auch dort ein Wechsel zu Windows Phone 7 stattfinden wird. Die nächsten zwei Jahre gelten als eine Art Übergangsfrist.

Das Open-Source-Betriebssystem Meego werde sich in seiner bisherigen Form wandeln und das zuständige Team verstärkt der Trendforschung und Entwicklung widmen. Elop weist darauf hin, dass noch in diesem Jahr ein auf Meego basiertes Smartphone erscheinen werde. Es hatte im Vorfeld Gerüchte gegeben, dass das erste Meego-Handy – das Nokia N9 – gar nicht mehr auf den Markt kommen wird, was nun widerlegt ist.

Stephen Elop und Steve Ballmer strotzen vor Zuversicht ob ihrer Kooperation. Wirtschaftsexperten hegen indes Zweifel, ob ein noch sehr neues Betriebssystem wie WP7 als Zugpferd taugt und den hohen Erwartungen gerecht wird. Microsoft konnte sich ja selbst noch nicht richtig auf dem Smartphone-Markt beweisen. Es ist also eine Allianz, die (noch) auf unsicheren Beinen steht.

„Es wird durch alle unsere Niederlassungen hinweg einen deutlichen Arbeitsplatzabbau geben, damit wir schlanker werden und flexibler reagieren können.“ Um in Zukunft die tonangebenden Trends bei Smartphones zu setzen, nimmt Elop also eine starke Änderung der Unternehmensstruktur in Kauf.

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